Arbeitsrecht
1. Arbeitsvertrag
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Ausgangspunkt des Arbeitsrechts ist der Arbeitsvertrag. Ein Arbeitsvertrag ein privatrechtlicher Vertrag zweier Vertragspartner zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses. Aufgrund des Arbeitsvertrags ist der Arbeitnehmer verpflichtet, die vertragsgemäße Arbeitsleistung zu erbringen; der Arbeitgeber hat als Gegenleistung eine Vergütung zu gewähren.
Festgelegt sind im Arbeitsvertrag neben der Vergütung und der Arbeitszeit auch die Urlaubstage, Versetzung und Mehrarbeit. Es gibt auch Arbeitsverträge, die befristet sind. Immer mehr Arbeitsverträge erhalten Konkurrenzklauseln, Verschwiegenheitspflichten und Vertragsstrafen. Diese Klauseln können oftmals ungültig sein.
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2. Kündigung, Aufhebungsvertrag, Zeugnis
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Ein Arbeitsvertrag wird in der Regel auf unbestimmte Zeit geschlossen, jedoch ist auch ein befristetes Arbeitsverhältnis zulässig. Neueinstellungen wird zumeist eine Probezeit vereinbart.
Das unbefristete Arbeitsverhältnis endet in der Regel durch Kündigung einer Partei oder durch Aufhebungsvertrag, wobei jeweils Schriftform vorgeschrieben ist. In vielen Fällen ist das Kündigungsrecht des Arbeitgebers gesetzlich eingeschränkt. Bevor er kündigen kann muss er zunächst beachten, ob dem Arbeitnehmer Kündigungsschutz zusteht. So muss er etwa bei einer verhaltensbedingten Kündigung nahezu immer eine Abmahnung erteilen
Häufig kommt es vor, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer dazu drängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Dazu bietet er meistens eine verlockende Abfindung an. Zu einer Unterschrift kann der Arbeitgeber Sie aber nicht zwingen.
Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Der Anspruch auf Arbeitszeugnis entsteht mit Zugang der Kündigung. Bei besonderem Interesse, z.B. bei Betriebsübergang, Insolvenz des Arbeitgebers u.Ä. besteht auch ein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.
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3. Abfindung
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EiÂne AbÂfinÂdung ist eiÂne einÂmaÂliÂge außerÂorÂdentÂliÂche ZahÂlung, die ein ArÂbeitÂnehÂmer von seiÂnem ArÂbeitÂgeÂber bei BeÂenÂdiÂgung des ArÂbeitsÂverhältÂnisÂses als EntschädiÂgung für den VerÂlust des ArÂbeitsÂplatÂzes und der daÂmit verÂbunÂdeÂnen VerÂdienstmöglichÂkeiÂten erhält.
Grundsätzlich haÂben Sie als ArÂbeitÂnehÂmer bei BeÂenÂdiÂgung IhÂres ArÂbeitsÂverhältÂnisÂses keiÂnen RechtsÂanÂspruch auf eiÂne AbÂfinÂdung. Bei guÂten ErÂfolgsÂausÂsichÂten eiÂner KündiÂgungsÂschutzÂklaÂge ist der ArÂbeitÂgeÂber aber oft daÂzu beÂreit, "freiÂwilÂlig" eiÂne AbÂfinÂdung zu zahÂlen, nicht zuÂletzt um daÂdurch das fiÂnanÂziÂelÂle RiÂsiÂko ausÂzuÂschÂließen, den ProÂzess zu verÂlieÂren. Bei geÂrichtÂliÂchen oder außerÂgeÂrichtÂliÂchen VerÂhandÂlunÂgen über die Höhe der AbÂfinÂdung oriÂenÂtiert man sich oft an der "DauÂmenÂreÂgel", dass ein halÂbes bis volÂles BrutÂtoÂmoÂnatsÂgeÂhalt pro Jahr der BeschäftiÂgung "anÂgeÂmesÂsen" ist.
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5. Abmahnung
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EiÂne AbÂmahÂnung ist in der ReÂgel eiÂne notÂwenÂdiÂge VorÂausÂsetÂzung dafür, dass der ArÂbeitÂgeÂber aus verÂhalÂtensÂbeÂdingÂten Gründen orÂdentÂlich kündiÂgen kann. In den alÂlerÂmeisÂten Fällen ist auch vor AusÂspruch eiÂner außerÂorÂdentÂliÂchen KündiÂgung zuÂvor eiÂne AbÂmahÂnung erÂteiÂlen.
Damit eine ordnungsgemäße Abmahnung vorliegt müssen 3 Voraussetzungen erfüllt sein. ErsÂtens muss der ArÂbeitÂgeÂber das abÂgeÂmahnÂte VerÂhalÂten möglichst geÂnau beÂschreiÂben, d.h. er muss DaÂtum und UhrÂzeit des VerÂtragsÂverÂsÂtoßes nenÂnen. ZweiÂtens muss der ArÂbeitÂgeÂber das abÂgeÂmahnÂte VerÂhalÂten deutÂlich als VerÂtragsÂverÂsÂtoß rügen und den ArÂbeitÂnehÂmer daÂzu aufÂforÂdern, dieÂses VerÂhalÂten in ZuÂkunft zu unÂterÂlasÂsen. DritÂtens muss der ArÂbeitÂgeÂber klar maÂchen, dass der ArÂbeitÂnehÂmer im WieÂderÂhoÂlungsÂfall mit eiÂner KündiÂgung rechÂnen muss.
AbÂmahÂnunÂgen können nur weÂgen VerÂtragsÂverstößen ausÂgeÂsproÂchen werÂden. Von eiÂnem VerÂtragsÂverÂsÂtoß kann nur die ReÂde sein, wenn das beÂanÂstanÂdeÂte VerÂhalÂten wilÂlentÂlich geÂsteuÂert werÂden kann. KrankÂheitsÂbeÂdingÂte FehlÂzeiÂten beÂrechÂtiÂgen daÂher von vornÂherÂein nicht zu eiÂner AbÂmahÂnung, da man für ErÂkranÂkunÂgen nichts kann.
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6. Urlaub, Elternzeit, Krankheit
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Nach den BeÂstimÂmunÂgen des BUrlG hat jeÂder ArÂbeitÂnehÂmer in jeÂdem KaÂlenÂderÂjahr AnÂspruch auf beÂzahlÂten ErÂhoÂlungsÂurÂlaub. Der UrÂlaubsÂanÂspruch kann durch VerÂeinÂbaÂrunÂgen im ArÂbeitsÂverÂtrag nicht ausÂgeÂschlosÂsen werÂden, d.h. er ist zwinÂgend. Die geÂsetzÂliÂche MinÂdestÂdauÂer des UrÂlaubs beträgt gemäß § 3 BUrlG 24 WerkÂtaÂge bei 6 Arbeitstagen die Woche. Wer5 TaÂge in der WoÂche arÂbeiÂtet, hat eiÂnen AnÂspruch auf 20 ArÂbeitsÂtaÂge UrÂlaub. Wenn Sie zum ZeitÂpunkt der BeÂenÂdiÂgung IhÂres ArÂbeitsÂverhältÂnisÂses noch AnÂspruch auf UrÂlaub haÂben, kann dieÂser UrÂlaubsÂanÂspruch nicht mehr durch beÂzahlÂte FreiÂstelÂlung von der ArÂbeit, d.h. in NaÂtur erfüllt werÂden, da das ArÂbeitsÂverhältÂnis ja beÂreits beÂenÂdet ist und daÂher keiÂne ArÂbeitsÂpflicht mehr beÂsteht. In dieÂsen Fall ist nach § 7 Abs.4 BUrlG der UrÂlaub abÂzuÂgelÂten.
AnÂspruch auf ElÂternÂzeit haÂben ArÂbeitÂnehÂmeÂrinÂnen und ArÂbeitÂnehÂmer, die in den ersÂten drei LeÂbensÂjahÂren ihÂres NachÂwuchÂses beÂrufÂlich pauÂsieÂren oder nur einÂgeÂschränkt arÂbeiÂten wolÂlen. ElÂternÂzeit steht demÂzuÂfolÂge nicht nur der MutÂter, sonÂdern auch dem VaÂter zu. ElÂternÂzeit können Sie im NorÂmalÂfall höchsÂtens für die ersÂten drei LeÂbensÂjahÂre IhÂres KinÂdes nehÂmen. DaÂbei wird die SchutzÂfrist von acht WoÂchen nach der GeÂburt, während der die junÂge MutÂter gemäß § 3 Abs.2 MutÂterÂschutzÂgeÂsetz (MuSchG) nicht beschäftigt werÂden darf, auf die ElÂternÂzeit anÂgeÂrechÂnet (§ 15 Abs.2 Satz 2 BEEG). Wenn Sie ElÂternÂzeit beÂanÂspruÂchen möchÂten, müssen Sie dieÂse gemäß § 16 Abs.1 Satz 1 BEEG spätesÂtens sieÂben WoÂchen vor BeÂginn schriftÂlich von IhÂrem ArÂbeitÂgeÂber verÂlanÂgen und daÂbei gleichÂzeiÂtig erklären, für welÂche ZeiÂten inÂnerÂhalb von zwei JahÂren ElÂternÂzeit geÂnomÂmen werÂden soll. Bei drinÂgenÂden Gründen ist ausÂnahmsÂweiÂse eiÂne anÂgeÂmesÂseÂne kürzeÂre Frist möglich.
Nach § 3 Abs.1 Satz 1 EFZG hat ein ArÂbeitÂnehÂmer, der durch ArÂbeitsÂunfähigÂkeit inÂfolÂge KrankÂheit an seiÂner ArÂbeitsÂleisÂtung verÂhinÂdert wird, ohÂne daß ihn ein VerÂschulÂden trifft, AnÂspruch auf EntÂgeltÂfortÂzahÂlung im KrankÂheitsÂfall durch den ArÂbeitÂgeÂber für die Zeit der ArÂbeitsÂunfähigÂkeit bis zur DauÂer von sechs WoÂchen. Nach AbÂlauf der sechswöchiÂgen EntÂgeltÂfortÂzahÂlung durch IhÂren ArÂbeitÂgeÂber können Sie von der KranÂkenÂkasÂse KranÂkenÂgeld beÂanÂspruÂchen. Wenn Sie nach eiÂner sechswöchiÂgen KrankÂheit wieÂder geÂsund sind und zur ArÂbeit geÂhen, und wenn Sie dann erÂneut, diesÂmal aber weÂgen eiÂner anÂdeÂren KrankÂheit arÂbeitsÂunfähig werÂden, haÂben Sie erÂneut eiÂnen AnÂspruch auf sechs WoÂchen EntÂgeltÂfortÂzahÂlung. AnÂders ist es aber dann, wenn eiÂne zweiÂte (anÂdeÂre) ErÂkranÂkung während eiÂner beÂreits lauÂfenÂden ArÂbeitsÂunfähigÂkeit aufÂtritt. Dann enÂdet der AnÂspruch auf EntÂgeltÂfortÂzahÂlung nach sechs WoÂchen. Das beÂsagt der RechtsÂgrundÂsatz der "EinÂheit des VerÂhinÂdeÂrungsÂfalls". Wenn Sie AnÂspruch auf EntÂgeltÂfortÂzahÂlung haÂben, dann steht IhÂnen die BeÂzahÂlung zu (Lohn, GeÂhalt), die Sie bei der für Sie maßgebÂliÂchen ArÂbeitsÂzeit beÂkomÂmen hätten, wenn Sie geÂsund geÂweÂsen wären und geÂarÂbeiÂtet hätten. DaÂvon ausÂgeÂnomÂmen ist alÂlerÂdings die Vergütung für ÃœberÂstunÂden (§ 4 Abs.1a Satz 1 EFZG).
7. Telefonieren und privates Surfen im Internet
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Private E-Mails und Surfen am Arbeitsplatz bieten auch immer wieder Anlass für Streitigkeiten oder Kündigungen. Für die Beurteilung, ob und inwieweit der Arbeitgeber die Internet- und E-Mailnutzung kontrollieren und überwachen darf, kommt es darauf an, ob den Arbeitnehmern neben der dienstlichen auch die private Nutzung des Internet am Arbeitsplatz gestattet ist. Ob die private Angelegenheit dem Datenschutz unterliegt, ist im Einzelfall zu klären. Eine Frage, die sich viele Arbeitnehmer stellen ist auch: Was geschieht mit den privaten Dateien nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen?